Die beste Kamera

Dirk Technik 1 Comment

Erst neulich bin ich über einen Beitrag im Netz gestolpert, wo es darum ging, die “beste Kamera unter 500 Euro” zu empfehlen. Da sich grad auch immer wieder Anfänger die Frage nach der optimalsten Kamera stellen, möchte ich hier dazu gerne einmal ein paar Worte verlieren.

Im Grunde ist bereits der Ansatz, als Fotografie-Anfänger nach der besten Kamera suchen zu wollen, schon zum Scheitern verurteilt. Denn es gibt ganz einfach gar nicht so etwas wie „die beste Kamera“. Genau so wenig wie es „das beste Auto“ gibt. In der Realität ist Fotografie sehr verschieden. Der Landschaftsfotograf hat völlig andere Wünsche als ein Hochzeitsfotograf. Wenn du deine Bilder als Wandbild printen möchtest musst du auf andere Dinge achten, als jemand der sich nur bunte Bilder für Facebook wünscht. Mir ist, um einmal ein konkretes Beispiel zu nennen, der Fall einer passionierten Naturfotografin bekannt, die alleine wegen eines bestimmten Objektives komplett die Marke gewechselt hat. Ich selber fotografiere jetzt mit Canon, weil meine Lebenspartnerin über eine ansehnliche Objektiv-Sammlung verfügte und es nicht intelligent gewesen wäre, diese Objektive nicht zu nutzen. Also, was ich damit sagen will, ist, dass die Gründe für eine Systementscheidung oft sehr individuell sein können. Die Wahl einer Kamera hat nicht nur mit den reinen technischen Daten, sondern auch mit persönlichen Dingen, einer gewünschten Arbeitsweise und den eigenen Zielen zu tun.

Auch solltest du immer bedenken, dass die Kamera eigentlich nur ein Teil des Ganzen ist. Andere Dinge wie gute Objektive, ein stabiles Stativ oder gar etwas Budget für Reisekosten sind da gleichfalls mit in Erwägung zu ziehen. Denn sofern dein Budget nicht völlig unbegrenzt ist, ist nicht die technisch beste Kamera die beste Wahl, sondern die Kamera die für deinen Zweck völlig ausreicht und noch genug Budget für andere Dinge übrig lässt.
Nun, was kann man wirklich empfehlen? Wer auf extreme Spielarten wie Nachtfotografie/ Milchstraßen-Fotografie verzichten kann, dem würde ich heute eine gute Gebrauchte empfehlen. Also besser eine alte Kamera und ein gutes Objektiv als eine neue Kamera mit dem Standartzoom. Aber ganz so einfach ist das dann auch wieder nicht. Manche Modelle haben Klappdisplays, was für bodennahe Makrofotografie sehr praktisch ist. Andere Modelle haben mehr Direkt-Funktionen wie Zugriff auf Iso oder Belichtungskorrektur, was für Landschaftsfotografen unabdingbar ist. Der Augenautofokus bei den aktuellen Modellen ist zwar schon genial, aber wenn das dann bedeutet, das man fast zwangsläufig die überteuerten Objektive dann noch dazu kaufen muss und die Akkus im Winter vielleicht 50 Bilder erlauben….
Am Ende musst du dir selber eine Liste machen mit Dingen die dir wichtig sind. Du musst dir selber genug Wissen aneignen, um diese Wahl selbständig treffen zu können. Niemand kann für dich entscheiden.

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  1. Hallo Dirk, herzlichen Dank für Deine vielen Tips und Denkanstösse. Du hast mir bei der Wahl meiner für mich persönlich besten Kamera und Objektiven sehr geholfen, und ich kann Deine breite Expertise nur weiterempfehlen! Mit sehr viel Erfahrung und Fachwissen für Technik, Praxis, und authentisch in Deiner Art, weisst Du für jede Interessensrichtung wertvolles Wissen zu vermitteln!

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