Der ultimative Anfänger-Tipp

Dirk Allgemein Leave a Comment

Immer wieder stolpert man im Netz über Workshop-Angebote von meist Landschaftsfotografen, wo es unisono dann heißt “Weg von der Automatik, lerne eine Kamera manuell zu bedienen und du wirst ein besserer Fotograf”. Leider wird hier oft unterschwellig suggestiert, das man mit etwas mehr “Allgemeinwissen” über die Kamera-Parameter wie Zeit, Blende, Iso usw. ein besserer Fotograf werden könnte. Aber wer dann tatsächlich einmal so einen Workshop mitgemacht hat, wird wohl meist hinterher enttäuscht festgestellt haben, das die eigenen Bildergebnisse dann trotzdem keinen Deut besser geworden sind. Warum ist das so?
Tatsächlich ist zwar das Wissen um die Parameter Zeit, Blende, Iso schon wichtig aber die Umsetzung in der Praxis extrem Motiv-spezifisch. Also Blende 8 ist in der Landschaftsfotografie etwas völlig anderes als in der Macrofotografie oder wenn ich Menschen fotografieren möchte. Eine Hundertstel Sekunde Belichtungszeit kann ein scharfes aber genauso gut ein unscharfes Bild ergeben. ISO 1000 kann in Innenräumen schöne oder schön verrauschte Bilder ergeben. Oder ganz banal: Ein 50mm – Objektiv kann für den Anfänger total super oder auch völlig unbrauchbar sein. Ehrlich!

Deswegen ist so ein auswendig gelerntes Wissen ohne jeglichen Bezug zu einem persönlichen Ziel gerade für einen Anfänger praktisch nicht umsetzbar. Es gibt einfach viel zu viele Wechselwirkungen wie z.B. die Abhängigkeit der Belichtungszeit von der verwendeten Brennweite, Motivgeschwindigkeit etc. Dann gibt es Kameras, mit denen man ohne Probleme mit Iso 1000 fotografieren kann, mit anderen weniger… Außerdem bräuchtest du für jede Anwendungsvariante wie People-/ Landschafts-/ oder Sportfotografie die nötige Grundausrüstung um das selber ausprobieren zu können. Unmöglich, das auf diesem Weg so zu lernen!

Im Grunde gibt es nur einen Weg, autodidaktisch richtig fotografieren zu lernen: Du musst dich auch als Anfänger sofort spezialisieren und dir ein ganz konkretes Spezialgebiet wie Porträtfotografie, Macrofotografie, Sportfotografie, Landschaftsfotografie oder dergleichen auswählen und nur dieses Thema ganz konkret bearbeiten. Vergiss die Idee, das es so etwas wie allgemeingültige Geheimtipps gibt, die dich in jeder Lebenslage besser fotografieren lassen. Im Grunde eigentlich fast eine Banalität aber viele Anfänger wissen erfahrungsgemäß oft nicht weiter, weil sie einfach kein Ziel vor den Augen haben. Wenn du dich aber erst einmal festgelegt hast, dann kannst du so ein “Fachgebiet” auch in sehr kurzer Zeit erlernen. Wenn du dich für die Menschenfotografie als Beispiel entschieden hast, dann wirst du in sehr kurzer Zeit auch von alleine herausfinden, welche Objektive man dafür benötigt und wie sich die Blendeneinstellungen am Motiv auswirken. Zwar hilft dir das dann in einer anderen Situation, z.b. im Urlaub wenn du Landschaftsbilder fotografieren möchtest erst einmal nicht viel weiter. Aber wenn du wirklich etwas lernen möchtest, dann musst du jedes einzelne Teilgebiet wirklich einzeln abarbeiten. Der Punkt ist einfach der, das man Fotografie als Solches, als Ganzes so einfach nicht lernen kann, weil jedes Teilgebiet völlig andere Anforderungen an Wissen, Können und Ausrüstung hat.

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